Mittwoch, 18. April 2018

Deutsche Bahn - Hilfe für Behinderte? Denkste!

Um es gleich vorweg zu schicken:

Ich werde diesen Beitrag an die Bahn schicken, auf der Facebook-Seite der Bahn teilen, an unsere Lokalredaktion weiterleiten, und ich bin froh um jeden Tipp, wer sich noch für diese Geschichte interessieren könnte. Denn:

Ich möchte, das die Behandlung behinderter Menschen bei der Deutschen Bahn öffentlich wird.

Von Anfang an:

Am Nachmittag stieg ich zwei Haltestellen vor der Endstation in den Zug, der von Köln nach Mönchengladbach fährt. Eine alte Dame saß darin, mit Koffer, Taststock und einer Plakette, die sie als sehbehindert auswies. Sie fragte mich, ob das denn wirklich der Zug nach Aachen sei.

Sie kannte sich in unserer Region nicht aus und hatte deshalb mit den Namen all der vorigen Stationen nichts anfangen können. In Köln hatte sie umsteigen müssen, aber dort sei aufgrund vieler Verspätungen ein großes Chaos gewesen. Sie habe an dem Gleis, das man ihr genannt hatte, die Bahnangestelte noch gefragt, ob das auch sicher der Zug nach Aachen sei. Diese habe das bejaht und gemeint, sie solle einsteigen.

Und nun stand die Frau also in Rheydt, einem Stadtteil von Mönchengladbach, und musste eigentlich über Aachen nach Stolberg, wo sie am Bahnhof erwartet wurde. Ihre Leute in Stolberg waren mit der Situation wohl auch überfordert und konnten nicht weiterhelfen. Ich war mit ihr ausgestiegen und wollte sehen, dass sie diesmal in den richtigen Zug einstieg. Züge nach Aachen gab es ab Rheydt, das wusste ich. Aber fuhren die auch über Stolberg? Oder musste sie umsteigen - und wenn ja: Wo?

Wie das immer so ist in solchen Situationen: Natürlich ist der Rheydter Bahnhof und seine Umgebung eines der berühmten "Funklöcher", so dass mein Smartphone keine Infos downloaden wollte. Aber ich wusste, dass sich unten im maroden Bahnhofsgebäude eine "DB Agentur" befand. Die bestand zwar nur aus einem "Kabuff" mit gläsernem Sprechfenster à la "zurück in die 1970er Jahre", aber immerhin saß ein Mensch darin, der sicher weiterhelfen konnte. Also ließ ich die alte Dame auf dem Bahnsteig zurück und versprach ihr, in ein paar Minuten mit den nötigen Informationen zurückzukommen.

Der Mensch, also die Frau - die "Dame" verkneife ich mir - schaute kurz aber desinteressiert hoch, als ich an den Schalter trat. Ich sagte, ich hätte da einen Notfall mit einer sehbehinderten älteren Dame und schilderte das Problem. Folgender Dialog entspann sich:

"Ich kann Ihnen da nicht helfen. Kann auch gerade nichts ausdrucken."

"Hören Sie, da oben steht eine fast blinde alte Dame, die nach Stolberg muss und von Ihren Leuten in Köln in den falschen Zug gesetzt wurde und deshalb jetzt hier auf dem Bahnsteig steht. Es muss doch für Sie eine Möglichkeit geben, da zu helfen!"

"Da hinten steht der Fahrkartenautomat - da können Sie ihr ja eine Verbindung ausdrucken."

"Das ist jetzt nicht ihr Ernst, oder?"

"Ich kann da nichts tun."

"Ja, danke, das sagten sie schon."

Ich ging zum Fahrkartenautomaten. Das war sinnfrei, wie mir vorher schon klar war - sicher, man kann eine Verbindung ausdrucken. Aber diese Minikärtchen geben keine Informationen zu den Umstiegen: Sie zeigen an, DASS man umsteigen muss, aber nicht WO, und sie geben auch keine Anschlusszeiten oder gar Gleisnummern. Was nutzte das? Nichts.

Frustriert ging ich zum Schalter zurück - ich wollte, dass man hier jetzt half; mit einer handfesten Information, und wenn das nicht möglich war, dann sollte die Frau eben jemanden anrufen, der helfen konnte.

Am Schalter stellte ich fest, dass - nennen wir sie einmal "Frau Hilfreich" - inzwischen das Sprechfensterchen geschlossen hatte. Sie saß zwar immer noch da und tat beschäftigt, aber mit mir reden wollte sie offensichtlich nicht mehr. Meine Nachfragen ignorierte sie.

Als ich zurück zum Bahnsteig kam, hatte sich zum Glück eine junge Dame gefunden, die mittels Tablet die Informationen aufgerufen hatte, die mein Smartphone vorher nicht hatte hergeben wollen. Wir wussten nun, welchen Zug die alte Dame nehmen und wo sie umsteigen musste. Begleiten konnten wir sie nicht - ich hoffe, sie ist inzwischen wohlbehalten angekommen.

Der Deutschen Bahn möchte ich abschließend nur noch folgenden Kommentar zurufen:

BRAVO!


Samstag, 10. März 2018

Sprache - rechtsfrei

Heute benutzte ich das Wort "Antifanten". Ich wurde gerügt. Ob ich wisse, dass dieser Ausdruck von der AfD genutzt werde.

Ich verteidigte mich. Denn das Wort ist viel älter als die AfD. Tatsächlich erinnere ich mich an Leute aus Antifa-Kreisen, die so relaxed waren, dass sie sich selbst so bezeichneten. (Ja, liebe Kinder, solche Zeiten gab es.)

Doch ich ging in mich, und ich erkannte:

Das Vokabular von Rechts musste verpönt und gemieden werden. Meine Sprache sollte rechtsfrei werden.

Also studierte ich die Reden und Schriften von Rechts und suchte nach einem Weg, rechte Wortvorlieben zu erkennen.

Ich entschied, es müsse eine gewisse Regelmäßigkeit erkennbar sein. Nur, weil ein AfD'ler ein einziges Mal das Wort "Ficki-Ficki-Anleitungs-TV" in den Mund genommen hatte, hieß das noch nicht, dass "Ficki-Ficki" ein rechtes Alleinstellungsmerkmal war.

Ich stellte dagegen eine große Regelmäßigkeit im Gebrauch des Wortes "Freunde" fest: Ich hatte mein erstes rechtes Wort gefunden.

Nun, meine lieben mir nahestenden Menschen, der Anfang war gemacht und ich fühlte mich gleich ein wenig unrechter.

Dann war da "Deutschland" - ein Wort, das in fast jedem zweiten oder dritten Satz vorkam. Ha! Der nächste Fund.

Und dann ging es Schlag auf Schlag: "Staat" "Regierung" "Land" "Volk" "Zukunft" "Kinder" "Frauen" "Männer" - rechts! rechts! rechts!

Allerdings fand ich noch einige andere, kleine und bisher auf arglistige Weise harmlos dahergekommene Wörter, die in rechter Rede jedoch in fast keinem Satz zu fehlen schienen und so ihre Bösartigkeit offenbarten:

"ich" "wir" "nein" "und"

Das rechte "und" stellte mich vor Probleme. Wie sollte man dieses Wörtchen meiden, das sich auf so teuflische Weise als scheinbar unersetzbar in unsere arglose Sprache eingeschlichen hatte? Doch wie einfach war die Lösung: Es war durch ein "+" zu ersetzten.

Kurz stutzte meiner Einer: Eröffneten unsereiner damit nicht gleich das nächste, diesmal christliche Fass? Mitnichten, entschied meiner Einer; das Kreuz des "+" müssen unsereiner auf uns nehmen.

Ja, nun ist sie rechtsfrei, meine Sprache, + meiner Einer kann erhobenen Hauptes durch die Straßen dieses durch Grenzen definierte Teilstück eines Kontinents gehen + sich dabei mit jenen aufrechten Menschen beiderlei Geschlechts vereint wissen, denen darum zu tun ist, die kleinen Menschen in einer Zeit jenseits der Gegenwart vor Rechts zu schützen.

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Ja, liebe Kämpfer gegen Rechts - ihr habt durchaus meine Sympathie, und ganz sicher unterstelle ich euch die allerbesten Motive. Nur behaltet bitte eines im Auge: Auch der Kampf gegen die französische Ständeherrschaft begann mit den allerbesten Motiven - und dann errichteten die Jakobiner die Guillotinen, und der Absolutismus des Adels wurde ersetzt durch den Absolutismus der Selbstgerechtigkeit.
 


Der Duft der Bücher

"Die Nase ins Buch stecken", so sagt man, wenn ein Mensch liest.

Aber steckt ihr manchmal auch so richtig, also ganz wörtlich, die Nase in ein Buch?

Gestern Abend hatte ich mir den Stapel noch ungelesener Bücher vom Regal geholt, um zu entscheiden, welches mich am nächsten Morgen als Lektüre zum Friseur begleiten würde. Und dabei ertappte ich mich, wie ich nicht nur die Innenseiten der Schutzumschläge las, sondern auch in jedes Buch die Nase steckte und tief einatmete.

Dabei fiel mir ein, dass ich diesen "Tick" von meiner Mutter geerbt hatte. Ich erinnerte mich, wie sie mir irgendwann vor vielen Jahren erzählte, so habe sie schon als Kind jedes neue Buch beim ersten Aufschlagen erkundet.

Ich liebe gute und ausgefallene Parfums und habe eine ganze Sammlung davon. Aber zum ersten Mal in ein neues Buch hineinzuschnuppern - das ist ungeschlagen das beste Parfum der Welt!

Und alle duften anders - je nachdem, ob es sich um einen Krimi, um eine Liebesgeschichte oder um einen Bildband von Rom handelt..... Gut, in Wirklichkeit sind es natürlich Papier, Druckerfarbe, Verarbeitung usw., die für die unterschiedlichen Buchdüfte verantwortlich sind. Aber man weiß ja nie, wie viel Einfluss der geistige Inhalt eines Buches auf die feine Nase einer Leseratte nimmt, nicht wahr?

Ein ganz besonderes Erlebnis stellt natürlich das aufwendig gearbeitete Buch dar - womöglich in Leder oder Leinen gefasst, mit Fadenbindung und gutem, festen Papier. Das ist nicht nur ein Duft- sondern auch ein haptisches Erlebnis. Solch ein Buch möchte man streicheln und ihm zuflüstern
"Erzähl' mir eine Geschichte!"
Eine andere, ganz besondere Spezies sind die alten, schon vielfach gelesenen Bücher. Im Gegensatz zu neuen Büchern sind sie Geschichte umrankt von Geschichten:

Lieblingsstellen mit Eselsohren markiert. Oder hier, der zerrissene Einband - Krallenspuren eines längst verstorbenen Missetäters. Kaffeeflecken, oder war das noch während meiner Teephase? Die paar alten Bücher aus der Sammlung meines Großvaters, ein ganz besonderer Schatz. Und natürlich die auf Antiquariaten gekauften Schätzchen, manchmal mit Widmungen von Fremden für Fremde, winzige Einblicke in die Leben einer anderen Zeit.

Ein wenig traurig beende ich diesen Blogbeitrag, weil ich mich frage, wie viele - oder wenige - der heutigen Kinder und Jugendlichen noch erfahren dürfen, wie viel mehr ein altmodisches Buch zu geben hat, als ihnen ebooks jemals werden bieten können.

Sonntag, 4. März 2018

Bitte nicht stören!

Stört ihr euch an den vielen Bettlern in unseren Städten?

Nein, wahrscheinlich nicht. Wir haben uns daran gewöhnt, dass sie vor den Läden sitzen, in Hauseingängen, vor und in den Bahnhöfen.

Gelegentlich werfen wir eine Euromünze in den Becher, den einer von ihnen vor sich aufgestellt hat und gehen dann schnell weiter. Fühlen wir uns gut dabei?

Mehr wollen wir mit "denen" jedenfalls nicht zu tun haben. Also gehen wir vorüber, blicken stur geradeaus oder zur anderen Straßenseite.

Und dann kommen wir doch ins Gespräch - so wie damals an einem Heiligabend in der Bahnhofshalle (siehe Blogbeitrag) oder vor wenigen Wochen mit einer Bettlerin in Rom. Und wir stellen fest: Es gibt kein "die" und "wir", denn da, uns gegenüber, steht einfach nur: Ein Mensch. So wie ich einer bin.

Ist das der Grund für unser meist blindes und schnelles Vorübergehen?

Sind sie uns Erinnerung, wie schmal und seicht der Graben geworden ist, der heute uns Normalbürger vom Almosenempfänger trennt?

Vielleicht tragen wir deshalb alle einen unsichtbaren Schild vor uns uns her, auf dem steht:
"Bitte nicht stören!"
Ob wir es schaffen können, uns gelegentlich doch einmal in unserer ohnehin nicht vorhandenen Sicherheit stören zu lassen?

Nur auf ein Wort? Ein Lächeln?


Sonntag, 25. Februar 2018

Wenn ein Priester die hl. Thérèse von Lisieux missversteht

...dann ist das hundertmal schlimmer, als würde dir oder mir dieser Fehler unterlaufen, denn für uns wäre es nur das eigene Pech, während ein Priester sein Missverstehen an eine ganze versammelte Gemeinde weitergibt, in der viele bei dieser Gelegenheit vielleicht zum ersten Mal von Thérèse von Lisieux hören - und aufgrund seiner Aussagen auch zum letzten Mal. So geschehen gestern Abend:

Bei der ersten Erwähnung der kleinen Thérèse horchte ich erfreut auf - dass sie überhaupt in einer Predigt erwähnt wurde, erlebte ich zum ersten Mal. Doch zu früh gefreut.

Sie habe ja auf ihrer Romreise die damals ganz neue Erfindung namens "Aufzug" kennengelernt. Und statt eines mühseligen Aufstiegs habe sie sich gewünscht, gleichsam wie in einem Aufzug zu Gott zu gelangen. Aber der leichte Weg sei nun einmal für uns Menschen nicht immer auch der Richtige. Wie anders doch die "große" Teresa von Avila, wenn sie von ihrer langen Zeit des Gefühls der völligen Verlassenheit von Gott berichtet, und wie sich später gerade diese schwere Zeit für sie als die Wichtigste auf ihrem Weg zu Gott herausstellte.

Dazu ließe sich sehr viel sagen, aber ich will versuchen, mich kurz zu fassen:

Erstens hätte man erwähnen müssen, dass es sich bei der Romreise keineswegs um eine Vergnügungsreise handelte, sondern dass Thérèse mit ihrem Vater nach Rom kam, um beim Papst die Erlaubnis zu erbitten, mit ihren gerade einmal 15 Jahren in den Karmel aufgenommen zu werden.

Auch Thérèse blieb nicht von einer Zeit des Gefühls der völligen Gottverlassenheit verschont, wie ihre Aufzeichnungen zeigen. Tatsächlich scheinen alle Heiligen wenigstens einmal in ihrem Leben eine solche Phase durchgemacht zu haben. Thérèse von Lisieux berichtet ausführlich davon, nennt sie selbst "Die dunkle Nacht".

Doch kommen wir auf den "Aufzug" zurück, mit dem Thérèse zu Gott zu gelangen wünschte. Hat sich Thérèse damit wirklich den leichteren Weg ausgesucht - sozusagen ein himmlisches "Beam me up, Scotty!"?

So kann man wohl argumentieren - allerdings nur, wenn man Thérèse völlig falsch verstanden hat.

Der Aufzug, den sie sich vorstellt, sind Jesu Arme, mit denen Er sie zu sich emporzieht, nachdem es ihr gelungen sein wird, sich als Sein Kind ganz klein gemacht zu haben, getreu dem von ihr zitierten Wort aus den Sprüchen der Bibel:
"Wenn jemand ganz klein ist, dann komme er zu mir."
Sich ganz klein vor Gott gemacht zu haben, was heißt das anders, als alles, wirklich alles in Seine Hände gelegt haben - und alles abgelegt zu haben, was Eigenliebe, Stolz und eigener Wille sind?

Das soll ein leichter Weg sein? Wirklich?

Sonntag, 18. Februar 2018

Wieder Rom

Ja, ich war wieder einmal in Rom. Bilder gibt es im separaten BLOGBEITRAG, hier nur einige Gedanken und Erlebnisse. Wen es nicht interessiert, der mag gleich zu den Fotos übergehen - oder aber meinen Blog einfach wieder schließen.

Schweizer mit Verspätung? 

Der Hinflug war etwas umständlich, denn es war kein auch nur halbwegs bezahlbarer Nonstop-Flug zu finden gewesen. Die Pleite von Air Berlin lässt grüßen?  Nur eine Stunde Umsteigezeit am Flughhafen Zürich, dachte ich, sei jedenfalls Grund für Unruhe. Das war dumm von mir, denn ich war nicht mit der Deutschen Bahn unterwegs, sondern ich flog mit den Schweizern. Sozusagen mit den Erfindern der Pünktlichkeit. Wir landeten beide Male - in Zürich wie in Rom - mit Verfrühung.

Kaffee, bitte!

Was ist das nur, mit Tomatensaft im Flugzeug? Macht es bei manchen Menschen ab 10.000 m Flughöhe im Kopf "Klick!" und ihnen wird suggeriert, dass Tomatensaft ein Getränk sei, dem man unbedingt über Kaffee den Vorzug geben sollte? Ich möchte 100 Euro verwetten, dass keiner der Passagiere, die sich an Bord auf den roten Saft stürzen, das Zeug am Boden auch nur anfassen würde.

Als die Stewardess zu mir kam und dabei den Tetrapak mit Tomatensaft schon halb in der Hand hatte, sah ich sie entsetzt an und sagte:
"Kaffee! BITTE!!"
Worauf sie lachte und meinte
"Ich lege Ihnen gleich eine Leitung, ja?"
Wir verstanden einander.

Billigflieger

Im Hotel waren noch andere Deutsche abgestiegen, eine Vierergruppe. In einem Hotel mit nur 29 Zimmern lernt man die anderen Gäste schnell kennen.

 Mein erster Gedanke war:
"Oh, schön, aus dem Raum Aachen - da haben wir uns abends sicher mal was zu erzählen."
5 Minuten später mein zweiter Gedanke:
"Gottseidank - sie reisen morgen ab!"
Zu Hause ein winziges Licht, aber auf Reisen im Hotel den "großen Max" markieren und das Personal durch die Gegend scheuchen. Ebenfalls immer gerne genommen: Sich lautstark auf deutsch über "die chaotischen Italiener" im allgemeinen und das  "dämliche Personal" im besonderen mokieren - ohne zu ahnen (oder sich zu interessieren), dass man dabei durchaus verstanden wird.  Geistige Billigflieger.

Abwärts

Am nächsten Tag ging es abwärts: Eine Führung in die Nekropole unter dem Petersdom, also zu den Ausgrabungen unter St. Peter bis hin zum Petrusgrab. Man meldet sich zu dieser Führung online an, meist lange im Voraus, und erhält einen Termin und eine Uhrzeit, zu der man sich am "Ufficio Scavi" einfinden muss, wo die Führung beginnt.

Einmal hinabgestiegen, geht man durch Straßen und an Mausoleen entlang, die einst unter freiem Himmel lagen, bevor - vereinfacht erklärt - durch Kaiser Konstantin der vatikanische Hügel abgetragen und Teile der Nekropole zugeschüttet wurden, um die erste Basilika (der Vorgänger des heutigen Petersdoms) zu erbauen. Die teils noch vorchristlichen Mausoleen sind beeindruckend, so wie auch das ganze Erlebnis. Ein Rat für Interessierte: An Klaustrophobie sollte man nicht leiden, und auch das Klima könnte dem einen oder anderen Probleme bereiten.

Die Führung wurde von einem aus Ungarn stammenden Priester gehalten, der wirklich sehr gut deutsch sprach. Als wir in eines der Mausoleen hineinschauten, machte er uns auf die seitlich hinaufführenden Stufen aufmerksam und fragte, ob wir uns wohl vorstellen könnten, was sie dort - in einem Grab - wohl sollten. Nach kurzem Schweigen meinte ein Mann:
"Das soll bestimmt den Aufstieg in den Himmel versinnbildlichen."
Worauf "unser" Priester breit grinsend sagte:
"DIE Antwort bekomme ich von den Deutschen jedes Mal."
In Wirklichkeit führten die Stufen ganz profan in einen Raum oder auf ein Plateau über dem Mausoleum, denn auch in vorchristlicher Zeit waren z.B. Gedenkbesuche an Gräbern völlig normal.

Fotos werdet ihr in meinem Bildbeitrag nicht finden. Wie alt sie auch sein mögen, es sind trotzdem Grabstätten; das Fotografieren verbot sich dort einfach. Ich denke aber, wenn ihr unter "Nekropole Petersdom" sucht, werdet ihr online sicherlich Bilder und Schemazeichnungen der Anlage finden.

Zuletzt erreichten wir das Petrusgrab und standen damit direkt am Herzen des Petersdoms und der Kirche.  Ich bitte um Verständnis, dass ich dazu nicht schreibe. Manche Dinge kann man be-schreiben, und andere nicht.

"Bitte recht dümmlich!"

Früher lautete die Aufforderung des Fotografen an uns, wenn wir uns fürs Familienfoto aufstellten: "Bitte recht freundlich!"

Das hat sich heute erledigt. Wir knipsen uns vorzugsweise selber - und es versteht sich, dass wir dabei möglichst charmant (= dümmlich) in die Kamera grinsen. Wenn wir dann unsere Fotos per Whatsapp verschicken, sie bei Facebook teilen oder später zu Hause Verwandte und Freunde damit langweiligen, dann heißt es zu den einzelnen Bildern:
"Ich vor dem Petersdom. Ich auf dem Petersplatz. Und hier bin ich vor dem berühmten Brunnen; den Namen habe ich vergessen. Und hier! Ich beim Eisessen! Hier sitze ich auf der englischen Treppe. Und hier stehe ich auf der Treppe. Und da - guck! - da esse ich Spaghetti mit Tomatensoße!"
Und so geht es weiter. Auf jedem Bild grinst man sich dümmlich selber entgegen, während irgendwo im Hintergrund noch der Ausschnitt irgendeiner Sehenswürdigkeit zu erkennen ist, an deren Namen man sich kaum noch erinnert.

Wenn ich mich selbst vor möglichst individuellen Hintergründen fotografieren wollte, dann bliebe ich zu Hause:
Ich vor meinem Badezimmerspiegel.
Ich in meiner Küche beim Suppeumrühren.
Ich in meinem Schlafzimmer beim Bettenbeziehen.
Ich auf dem Klo sitzend.
DAS wären Bilder, die mir niemand nachmachen könnte. Jedenfalls nicht vor dem gleichen Hintergrund. 

Abtreten, zurücktreten, weggetreten

Während meines Urlaubs ist ein südafrikanischer Präsident abgetreten (worden), ein deutscher Spitzenpolitiker ist zurückgetreten, und vieles andere mehr ist passiert, was die täglichen Schlagzeilen beherrscht hat. Es ist herrlich, im Urlaub irgendwann diesen Punkt erreicht zu haben, von alledem so weit weggetreten zu sein, dass man es nur mit großer Verspätung und auch dann nur noch am Rande wahrnimmt. Es wird einem wieder einmal bewusst, wie wenig sich der Hype um die meisten Schlagzeilen lohnt, wenn man erst am Tag darauf davon erfährt. Rom ist der Ort, wo ich diesen himmlischen Seelenzustand immer wieder nach sehr kurzer Zeit erreiche.

Das Papstdouble

Es waren noch weitere deutsche Gäste im Hotel. Eine Familie hatte wohl die immer mittwochs stattfindende Papstaudienz verfolgt. Am nächsten Morgen jedenfalls wunderte sich die Ehefrau über die seltsame Stimmlage und Aussprache des Papstes. Darauf klärte ihr Mann sie und die Kinder auf (und damit unfreiwillig auch mich, die ich am Nebentisch saß):
"Was wir hören, ist nicht die echte Stimme des Papstes. Seine Stimme wird künstlich verzerrt. Auf diese Weise kann man, wenn der Papst mal krank ist, bei Ansprachen sein Double einsetzen, denn dann verzerrt man die Stimme des Doubles auf die gleiche Stimmlage und niemand merkt den Unterschied."
Ja. Das ist einleuchtend. Der Papst MUSS ein Double haben. Wie sonst sollte er einerseits den Kampf gegen den Reptiloiden aufnehmen, der sich als Donald Trump maskiert hat, und gleichzeitig auf dem Petersplatz den Angelus beten?

Doch, macht Sinn.

Am gleichen Tag reiste die Familie ab. Ich bedauerte es sehr.

Auf der Straße

Bettler gibt es rund um den Petersplatz eine Menge. Es geht einem wie zu Hause auch:
"Ich kann doch nicht JEDEM etwas geben!"
"Der/die kauft ja doch gleich die nächste Pulle Schnaps."
Oder so ähnlich. Oder man gibt eben doch gelegentlich mal einen Euro. Weitere Gedanken macht man sich eher nicht.

Dass die gleichen Bettler auch rund um den Petersplatz übernachten, wissen wohl die wenigsten Touristen. Man muss schon in der Nähe des Platzes wohnen und so auch einmal am späteren Abend noch dort sein, um zu erleben, wie sie die tagsüber von Touristen bevölkerten Ladeneingänge und Treppenabsätze übernehmen, ihre Decken und Schlafsäcke ausbreiten, manchmal Karton"wände" aufstellen, um so etwas wie Privatsphäre zu haben - und natürlich gleichzeitig den kalten Wind abzuhalten.

Es ist ein so völlig anderes Bild, das sich einem nach Einbruch der Dunkelheit bietet, dass es fast schon unheimlich ist. Als wäre alles, was man tagsüber dort sieht, nur ein Schauspiel, das für die Touristen aufgeführt wird, während am Abend die Wirklichkeit zurückkehrt.

Es ist kalt in Rom an diesen Abenden im Februar, und im Laufe der Nacht wird es noch kälter werden. Einmal kam ich mit einer Frau ins Gespräch, die sich "ihre" Schlafecke bereits zurechtgemacht hatte: Ein Schlafsack auf mehreren Schichten Karton, daneben eine Tüte mit ihren Habseligkeiten. Sie sprach Englisch, aber nicht mit italienischem Akzent.

Oh ja, es würde schon sehr kalt in der Nacht, aber sie habe ja ihren Schlafsack und ihre dicke Jacke. Und sie sei es ja gewohnt, draußen zu sein. Ja, sie wäre jetzt schon lange in Italien, aber die Leute hier wären nicht nett zu ihnen, besonders die Polizisten, aber wo solle sie denn hin? Aus Rumänien stamme sie, aber dort sei sie schon vor sehr langer Zeit weg, nach Deutschland geflogen sei sie damals, und in Hamburg habe sie dann gelebt. Nein, Familie oder Freunde in Rumänien habe sie keine mehr. Aus Deutschland sei sie dann irgendwann weg, mal hierhin, mal dorthin, und nun eben Italien.

Wie alt sie war, kann ich schwer schätzen. Über 40? Vielleicht ja, vielleicht nein. Ein breites Lachen hatte sie, obwohl sie nun schon so lange auf der Straße lebte. Aber es war auch offensichtlich, dass irgendetwas ihr einst einen schweren "Knacks" versetzt haben musste.

Die Geschichte mit der ersten Reise von Rumänien nach Deutschland gibt mir da zu denken. Eine gute Freundin ist beruflich stark in der Arbeit gegen "human trafficking" involviert - wozu eben auch gehört, dass junge Frauen aus osteuropäischen Ländern nach Deutschland gelockt werden, meist, indem man ihnen lohnende Jobs verspricht, mit denen sie die Familien zu Hause unterstützen wollen. Das Ende sind ein Bordell und die Zwangsprostitution.

Vielleicht ist das auch ihre Lebensgeschichte. Oder aber es ist eine ganz andere. Ich weiß es nicht.

Ich lag kurz darauf in meinem gemütlichen Hotelbett in einem gut gewärmten Zimmer.

Ja, nun sind meine kleinen Gedanken und Erlebnisse aus Rom sehr traurig und nachdenklich zuende gegangen, aber das kann ich halt nicht ändern. Ich hoffe, das Lesen hat euch trotzem Freude bereitet.

Rom - Photos

Dreimal dürft ihr raten, wo auf dem Hinflug die Zwischenlandung stattfand:







So eine Business Lounge ist schon was besonderes:




Jetzt aber raus aus dem Dreckswetter und ab in den Flieger nach Rom:




In Rom dann noch eine Abendmesse in der kleinen Ortskirche erwischt - so sieht das aus, kurz vor dem abendlichen Abschließen:






Also, ich finde, Petrus wirkt aus dieser Perspektive, als wäre er kurz davor, mit dem Schwert dreinzuschlagen:


Blick aus dem Hotelzimmer am nächsten Morgen - römisches Wetter halt:


(Und so sieht das abends aus:)


Und jetzt machen wir uns einfach mal auf durch die Straßen und Gassen Roms:









Coffee-to-go war gestern:


Karneval:







Straßenschilder werden auch hier überbewertet:


Eine höchst poetische Türe:













Zum Lesen der Unterschriften bitte anklicken:













Die Nachdenkliche: 








Wir nähern uns dem obersten Absatz der Spanischen Treppe durch die Hintertüre:







Orangen im Februar:





Am Fuß der Spanischen Treppe ein altenglische Teestube namens Babingtons:



Der Platz am Fuße der Spanischen Treppe ist am Abend wie leergefegt, wie man hier sieht:


Die Kleinen fotografieren noch die anderen, die Großen nur noch sich selbst:



Aus dem Rahmen gefallen:






Schauen wir uns mal den Petersplatz an:



Schlangestehen:

Und natürlich: Fotografieren!












Auf dem Weg zur Führung in die Nekropole unter dem Petersdom:















An dieser markierten Stelle befand sich einst der Obelisk, der heute auf der Mitte des Petersplatzes steht:

Ein Modell der ursprunglichen Basilika:







Nun ein Ausflug zu St. Paul vor den Mauern:



















Auch bei Paulus muss geputzt werden:
















Auf der Engelsbrücke.

Die Taschen sind echt Chanel! Garantiert! Steht drauf:






Bester Kaffee von Rom, sagt man:



Das Pantheon:





Es haut mich jedesmal wieder von den Socken, was in Rom öffentlich ausgestellt und als "collector's items" verkauft wird! Ich frage mich ernsthaft, wer sich sowas zu Hause aufstellt. Und ich meine damit nicht Napoleon oder Honest Abe:



Da sind mir diese Auslagen schon lieber:


In der Kirche Saint Louis des Francais - an diesem Seitenaltar wird für die Opfer der Attentate in Frankreich gebetet:



Der 2016 ermordete Priester Jacques Hamel:



Berühmt jedoch ist die Kirche für die dort befindlichen Gemälde des Caravaggio - hier der Evangelist Matthäus:



Und hier Ausschnitte aus der Berufung des Apostels Matthäus:

Was, der?


Am Gelde hängen? Oder es lassen und Ihm folgen?


Ja, du!


Das Fenster-Kreuz:





Die Piazza di Navona:










Und zum Abschluss Engelsburg und Engelsbrücke im Spiegel des Tiber: