Sonntag, 12. November 2017

Wenn Heiligabend auf einen Sonntag fällt...

Zurzeit hyperventiliert ja ein Teil der deutschen Bevölkerung:

Sie haben festgestellt, dass Heiligabend auf einen Sonntag fällt: Drei Tage hintereinander geschlossene Geschäfte. Das geht gar nicht, sagen sie, und sie fordern:

Wenigstens einige Stunden lang sollen die Geschäfte auch an Heiligabend öffnen - Sonntag hin oder her!

Es sind natürlich die gleichen Leute, die auch verlangen, die Sonntagsruhe der Verkäufer/innen generell abzuschaffen.

Weil sie ihre Freiheit wollen. Und zu dieser Freiheit gehört eben auch, sonntags einkaufen zu können.

Die Freiheit der Verkäufer/innen ist ihnen dabei egal.

Das kann ich verstehen: Verzogene und verwöhnte Menschen, die nach der Maxime leben
"Ich will alles, und das sofort!"
wurden entweder nie zur Rücksicht auf andere erzogen, oder sie haben diese Rücksicht irgendwann bewusst zugunsten der Befriedigung eigener Wünsche abgelegt.

Einige begründen ihre Forderungen recht lustig:
"Andere müssen auch sonntags arbeiten - da sollen sich die Verkäufer/innen mal nicht so haben."
Dabei verweisen sie auf Ärzte und anderes Krankenhaus- bzw. Pflegeheimpersonal, auf Polizisten oder auch Bahn- und Busfahrer.

Stimmt. Und natürlich gibt es da überhaupt keinen Unterschied zum Schuh- und Sockenverkäufer. (Das war Ironie; man muss es heute ja leider erklären.)

Aber die beste Begründung ist diese:
"Die hat sich den Beruf doch ausgesucht - sie wusste doch, welche Arbeitszeiten sie erwarten."
Okay, ihr Vertreter der Maxime "Der Kunde ist König", die ihr euch gleichzeitig in den Geschäften wie der hinterletzte Prolet aufführt - ich werde euch das mal erklären:

Die Verkäuferin, die sich ihren Beruf vor 20 oder 30 Jahren "ausgesucht" hat, konnte nicht ahnen, dass sie es einmal mit Dummvolk wie euch zu tun bekommen würde, das so wenig mit sich und seinem Leben anzufangen weiß, dass es unbedingt auch abends und nachts und sonntags durch die Geschäfte tapern zu müssen meint. Wegen euch steht sich die Verkäuferin mittlerweile bis 22 Uhr oder länger im Laden die Füße platt, und wegen euch muss sie fürchten, dass man ihr eines Tages auch den Sonntag noch nehmen wird. Mit sowas wie euch hat die Dame damals nicht rechnen können.

Und die Verkäuferin, die sich heute noch diesen Beruf aussucht? Kommt schon, ihr Königskunden, so dumm seid nicht einmal ihr!

Wer wird sich hinstellen und rufen
"Hier! Ich!"
wenn es um die Frage geht, wer Lust hat, bis zum späten Abend in einem Laden zu stehen, auch um 22 Uhr noch ein Lächeln für die nörgelnden, quängelnden und schlechtgelaunten Kunden (= ihr) zu haben, Regale einzuräumen oder abzustauben, stundenlang mit Rückenschmerzen an Supermarktkassen zu sitzen etc., und das alles mit der Aussicht, all diese "Freuden" bald auch noch auf den Sonntag ausgeweitet zu sehen?

Nein, da ruft niemand mehr freiwillig "Hier!". Wer sich das heute noch "freiwillig" antut, hat in Wirklichkeit aus dem einen oder anderen Grund keine andere Wahl.

Ach so, und noch etwas: Ein paar sehr Kluge unter euch dummschwätzen in diesem Zusammenhang gerne von den finanziellen Vorteilen - also bezahlte Überstunden, Zuschläge für "Spätdienste", oder auch der "Sonntagszuschlag".

Habt ihr mal die Frau im Supermarkt darauf angesprochen? Ich ja. Letzte Woche erst. Ergebnis:

Bis 22 Uhr ist der Laden geöffnet. In der Zeit ist sie für alles zuständig, so wie auch ihre Kollegen:

Waren einräumen, putzen, wenn Kunden etwas verschmutzt haben, zwischendurch Regale abwischen, Warenlieferungen entgegennehmen, Kundenfragen beantworten, an der Kasse sitzen...

Um 22 Uhr schließt der Markt. Offiziell. Denn die letzten Späteinkäufer unter euch sind natürlich erst um 21:59 Uhr in den Markt gekommen - und sooooo schnell lasst ihr euch nicht abfertigen! Wenn man die letzten von euch 20 Minuten später endlich los ist, hat man Glück gehabt. Danach müssen die Leute dort noch Kassenabschluss machen und den Laden aufräumen. Mit sehr viel Glück können sie um 23 Uhr gehen. Je nach Arbeitsweg sind sie dann vielleicht kurz vor Mitternacht zu Hause.

Überstundenzuschläge? Ist nicht.
Wenigstens Überstunden später abfeiern? Ist nicht. Alle Zeit, die sie nach 22 Uhr noch dort sind, geht verloren.
Zuschläge für Spätdienste? Ist nicht.
Zuschläge für Sonntagsarbeit? Ist nicht.

Weil: Sie wussten ja, worauf sie sich einließen. So die Begründung des Arbeitgebers, der auch gleich die entsprechenden Arbeitsverträge dazu ausgegeben hat.

Das ist euer Mann, stimmts? Trompetet so recht auf eurer Linie und nach eurem Herzen!


..............

Ach so, ihr erwartet jetzt einen Aufruf zum Abschluss? So eine Art Appell an euer Gewissen, oder die Mahnung zum Umdenken - irgendwas in der Art?

Warum, würde es denn etwas nützen?

Seht ihr - das dachte ich mir.

Sonntag, 29. Oktober 2017

Früher war mehr Lametta. Nicht.

Der 24. Oktober ist vorbei, und überrascht haben wir an diesem Tag festgestellt: In zwei Monaten ist Heiligabend. Reden wir also darüber.

Vorzugsweise über frühere Weihnachten. Als alles besser war. Als die Familie gemütlich beisammen saß und sich die Christbaumkerzen in seligen Kinderaugen spiegelten...

Ach so, ja, stimmt, das Bild stammt aus der Cola-Werbung und aus alten Hollywoodfilmen.

Aber wie war das wirklich, im eigenen "früher"? Ich habe heute mal zurückgedacht.

Die "selige Kleinkinderzeit", als der ganze Vorbereitungsstress noch auf den Erwachsenen lastete, während man selbst ganz unbeschwert den Heiligabend genießen konnte:

Nach schneller Bescherung zu Hause mit gestressten Eltern ab ins Auto und auf zum Haus der Oma, wo sich der Rest der damals großen Familie zum "richtigen" Heiligabend traf, noch mal Bescherung und dann das große und recht steife Festessen, während der Vater und andere Männer noch vor dem Dessert mehrfach heimlich auf die Uhr schauten, weil sie wussten, dass sie diverse  Familienmitglieder noch würden nach Hause fahren müssen.

Als einzig besondere Erinnerung an all diese Heiligabende fällt mir interessanterweise die alte Porzellanspieluhr meiner Oma ein, die nur an Heiligabend hervorgeholt und auf der Anrichte aufgebaut wurde, wo sie - wenn wir Kinder sie unter strenger Aufsicht hatten aufziehen dürfen - "Alle Jahre wieder" spielte.

Eigentlich - und un-eigentlich auch - wurde es danach nie besser. Anders, ja. Besser, nein. Da gab es das Hin- und Herfahren zu verschiedenen Verwandten an Heiligabend und den Feiertagen, etwas, zu dem nicht jeder in der Familie Lust hatte und so entsprechend genervter und schlechter Stimmung war. Nicht jeder hatte Freude am Einkauf von Geschenken in der Zeit vor Heiligabend - entsprechend "gestresst" von der lästigen Pflicht war der- oder diejenige an Heiligabend. Essen kochen, Baum schmücken, Geschenke einpacken, die Zimmer schmücken, den Tisch decken, Verwandte besuchen, Verwandte zu sich holen - naja, wer kennt das nicht?

Ein Weihnachten, von dem ich heute rückblickend sagen würde "Das war so richtig schön und gelungen; wäre es doch heute wieder so wie damals!" war tatsächlich nicht darunter.

Später kamen noch einige Weihnachtsfeste hinzu, die überschattet waren von schwerer Krankheit und Todesfällen, aber das ist natürlich eine ganz andere Geschichte.

Sitze ich hier und tue mir gerade so recht von Herzen selber leid?

Nein. Eher nehme ich erstaunt zur Kenntnis, dass alles, was ich oben zusamengefasst habe, Erfahrungen sein dürften, die - zumindest, wenn sie einmal ehrlich mit sich und ihrem persönlichen "früher" sind - sehr viele Menschen so oder ähnlich gemacht haben.

Warum sonst schießen "Alle Jahre wieder" kurz vor der Adventszeit die Rat-und-Hilfe-Angebote wie Pilze aus dem Boden. "Endlich stressfreie Weihnachten!" wird darin versprochen, oder "10 Tipps, wie Sie dem Weihnachtsstress entgehen!", oder auch das Versprechen "Dieses Jahr wird alles anders!".

Letztlich laufen all die Ratgeber auf die eine Sache hinaus:

Jene, die sie befolgen, versprechen sich davon, dass Weihnachten wieder so wird, wie es nie war.

Da werden Geschenke schon im Oktober gekauft, oder aber man versichert sich "Dieses Jahr schenken wir uns nichts!". Fleisch wird Wochen vor Weihnachten vorbestellt und Lebensmittel eingelagert, oder man reserviert gleich einen Tisch für die ganze Familie im Restaurant. Kein Plätzchenbacken, schließlich sind die Kinder schon groß, und gekaufte Plätzchen schmecken auch gut. Und so weiter, und so weiter.

Und so vergeht wieder ein Weihnachten, und einige haben es tatsächlich geschafft, den Vorbereitungsstress ganz oder teilweise für sich hinauszunehmen. Doch am 2. Weihnachtstag sitzen die meisten von ihnen da und ertappen sich auch in diesem Jahr wieder bei dem Gedanken:
"Gut, dass es vorbei ist."
Warum ist das so? Ich glaube, ich weiß es.

Fragen wir uns erst mal kurz: Was ist Weihnachten?

Weihnachten ist
- Plätzchen backen
- Geschenke machen
- Lebkuchen und Spekulatius essen
- Glühwein trinken
- "Jingle Bells" und "Last Christmas" im Radio hören
- "In Familie machen"
- Duftkerzen anzünden
- auf Schnee hoffen
- Weihnachtsbaum schmücken
- "Drei Nüsse für Aschenblödel" gucken

Falsch!

Alles, was ich oben aufgezählt habe, ist - zumindest hierzulande - WeihnachtsTRADITION. Eine Tradition, gegen die überhaupt nichts einzuwenden ist und die ich jedem Menschen (auch mir) von Herzen gönne.

Aber feiern wir denn eine Tradition? WENN das so ist, müssen wir alles, was ich oben benenne, umtaufen in "Winterfest" oder "Sonnwendfeier". So manch einer hätte damit heute leider gar kein Problem. Er oder sie mag sich hier bestätigt fühlen und darf mit dem Lesen aufhören.

Für den Rest, der sich auch heute noch nach jedem Weihnachtsfest fragt "War das alles?", möchte ich weiterschreiben. Und ich möchte fragen:
"Haben wir nicht vergessen, den einzig wahrhaft wichtigen Gast zu unserem Heiligabend einzuladen?"
Sagen wir es nur so dahin, vielleicht auf die Frage in der Fußgängerzone in der Adventszeit: "An Weihnachten feiern wir, dass Jesus geboren wurde" - oder GLAUBEN wir auch daran?
"Gott ist Mensch geworden und hat unter uns gelebt."
Wow! Was für ein Satz. Was für eine Nachricht. Was für ein - Glaube!

Glauben wir daran? Können wir an Heiligabend mit einem von Freude erfüllten "Halleluja!" auf Jesu Geburt anstoßen? 

Wenn ja, wird unser Heiligabend nie wieder mit dem schalen Gefühl des "War das alles?" enden.

Wenn nein, wird es bei den sinnentleerten Traditionen bleiben.

Sonntag, 22. Oktober 2017

#metoo - erklärt für Zweifler und Ablehner

Der Hashtag "metoo" (= "ich auch") verbreitet sich derzeit im Internet. Es sind Frauen, die ihn posten. Sie sagen damit: "Ja, auch mir ist das schon passiert."

Mit "das" sind sexuelle Übergriffe gemeint. Und zwar jeder Art.

Nun gibt es - frei nach dem Bibelzitat "Es gibt nichts neues unter der Sonne" - natürlich sofort jene Gegenstimmen, die rufen "Ihr könnt doch nicht solch 'harmlose' Dinge wie eine Hand auf dem Hintern in der vollbesetzten U-Bahn mit einer Vergewaltigung in einen Topf werfen!".

Doch, können wir.

Weil:

Erstens ist beides ein sexueller Übergriff, der die Frau zur verfügbaren "Ware" degradiert.

Zweitens sehe ich den Grabscher durchaus als späteren potentiellen Vergewaltiger. Denn es steckt hinter beiden Taten die gleiche Einstellung.

Aber zurück zu unserem Hastag-Phänomen:

Wozu soll das gut sein? Wird sich am Denken und Handeln der Täter etwas ändern? Daran glaube ich nicht. Ich sehe ja die Reaktionen im Netz, so es denn seitens der Männer überhaupt welche gibt. Sie reichen von Unverständnis bis hin zu klarer Ablehnung.

Doch jetzt dringt eine Tatsäche ins öffentliche Bewusstsein:

Sexuelle Übergriffigkeit ist keine Ausnahme oder Randerscheinung. Sie ist auch nichts, weswegen frau sich fragen müsste "Habe ich etwas falsch gemacht?". Es ist nicht etwa so, dass sie jede Frau treffen KÖNNTE, sondern Tatsache ist, dass jede Frau davon betroffen IST!

Eine Bekannte schrieb, bei ihr hätte es "nur" dazu geführt, dass sie seit ihrer Teenagerzeit keine Schwimmbäder mehr besucht hat.

"Nur"? Eine selbstauferlegte Beschneidung der persönlichen Freiheit, um männlicher Übergriffigkeit zu entgehen, ist keine Lappalie!

Auch die Nonnentracht ist übrigens keineswegs - wie man doch meinen möchte - ein Hindernis für diese gewisse Spezies "Mann".

Warum aber schweigen die meisten Frauen (zumindest bis heute) über all diese Vorkommnisse?

Manche aus Scham (siehe oben: "Habe ich etwas falsch gemacht?"). Oder sie wollen nicht als "verklemmt" dastehen: "Soooo schlimm war es ja vielleicht gar nicht." Oder es ist im Bekannten-/Freundes-/Familienkreis passiert: "Ich will niemanden bloßstellen; das gibt nur Streit und führt zu nichts."

Und natürlich aus Resignation: "Das passiert doch dauernd, und ändern wird sich eh nichts." Und damit haben sie - man muss es klar sagen - sogar leider Recht.

Außerdem haben wir natürlich jene Stimmen, die sagen "Och, was für ein Hype - da sorgen nun zugegeben schlimme Einzelfälle à la Weinstein und Trump dafür, dass die gesamte Spezies Mann an den Pranger gestellt werden soll..."

Ja, ja, die bösen Weinsteins und Trumps... Exklusive Mitglieder im "Club der Einzelfälle e.V.".

Falsch!

So exklusiv, wie manche sich das gerne zurechtdenken würden, ist dieser Club nicht: Jeder notgeil-grapschende Straßenköter ist Mitglied. Der einzige Unterschied: Ihm fehlt die Macht eines Trump oder Weinstein, um seine Frauenverachtung so auszuleben, wie diese "feinen" Exemplare es tun.

Die vielen Anständigen unter den Männern müssen sich jedoch dringend eines stärker bewusst machen:

Schon ihre Mütter waren Opfer sexueller Übergriffe.
Ebenso ihre Ehefrauen, Schwestern, Cousinen, Nichten etc. 

Und wenn sie Töchter haben, so wird auch diesen eines Tages der erste sexuelle Übergriff bevorstehen.

Und es gibt nichts, was sie dagegen tun können.

Außer, bei sich selber und der eigenen Einstellung anzufangen.

Das Schweigen der Anständigen muss aufhören. Und ein Umdenken muss stattfinden in der Bewertung der vermeintlich harmloseren Formen der sexuellen Nötigung.

Samstag, 21. Oktober 2017

Das Frauenbild des Herrn K.


Manchmal gehört auf einen groben Klotz ein grober Keil. Das wissen wir alle, und so haben wir alle schon reagiert. Und das war dann meist auch richtig so.

Manchmal jedoch sagt einem der Instinkt: Hier ist es angeraten, sich nicht mit in die Tiefe reißen zu lassen, sondern sachlich-gelassen zu bleiben.

Da unser Herr K. seine Ansichten öffentlich und damit für jeden einsehbar bei Facebook postet, stelle ich hier den Stein des Anstoßes per Screenshot zur Verfügung:



Man muss sich das einmal in aller Ruhe auf der Zunge zergehen lassen:

Die schwedische Außenministerin schrieb über ein Treffen mit einigen EU-Staats- und Regierungschefs:
«Plötzlich spürte ich eine Hand auf meinem Schenkel. Mein Tischnachbar begann, mich zu betatschen. Das war völlig irreal»
Unser Herr K. (und einige seiner Kommentatoren waren durchaus seiner Meinung) fühlt sich anlässlich dieser Veröffentlichung bemüßigt, aus der Außenministerin eine "Tusse" zu machen und ihre Klage über das Verhalten ihres Tischnachbarn in eine Klage darüber umzumünzen, dass es bei der Hand auf dem Oberschenkel blieb. "Verständlicherweise", fügt unser Herr K. hier noch ein - um damit wohl auszudrücken, die Dame habe von ihrem Alter und/oder Aussehen her dem Tischnachbarn keine ausreichenden Anreize für weitere Aktionen geboten und reagiere mit ihrer Klage nun ihren Frust ob dieser Zurückweisung ab.

Man müsste lachen, wenn es nicht zum Weinen wäre.

Doch lassen wir Herrn K. sich selbst erklären:


Einerseits juckt es mir in den Fingern, diese Epistel des Grauens Punkt für Punkt auseinanderzunehmen, doch gleichzeitig ist mir klar, dass dieser prachtvollen Charakterdarstellung nichts mehr hinzugefügt werden muss.

Außerdem verdanke ich Herrn K. heute Abend einen unerwarteten Genuss: Ich habe mich so über ihn geärgert, dass ich versehentlich statt des 2015er Merlot einen 1986er Gran Reserva entkorkt habe, den ich eigentlich für eine besondere Gelegenheit aufbewahrt hatte. Sei's drum - das edle Tröpfchen macht auch einen ganz normalen Samstagabend zu einer besonderen Gelegenheit.

Die Herr K.s dieser Welt werden wir nicht mehr ändern und auch nicht zum Umdenken bringen. Es lohnt daher nicht, ihnen Aufregung zu schenken.

Doch was sage ich nun den anderen Männern? Landen wir wieder bei der "Nein heißt Nein, nicht Ja, und auch nicht Vielleicht"-Debatte? Dort waren wir schon so oft, und geführt hat es zu nichts.

Ich versuche es einmal anders:

Liebe Männer, ihr glaubt, wir hätten heute - zumindest hier im "Abendland" - die Gleichberechtigung erreicht, und alle Klagen, die heute noch von Frauen kämen, seien hauptsächlich "Jammern auf hohem Niveau". Auf dem Papier - dem der Gesetzestexte nämlich - ist das richtig.

Aber all die schönen Gesetze und Reden nützen nichts, wenn sich in den Köpfen gewisser "Herren" nichts verändert.

Diese "Herren" erniedrigen Frauen mit Worten und/oder Taten. Ganz bewusst. Immer wieder. Jeden Tag. Überall.

So lange jede Frau jederzeit von einer solchen Erniedrigung betroffen sein kann, so lange besteht echte Gleich-Wertigkeit zwischen Mann und Frau leider auch weiterhin nur auf dem Papier.

Und das ist traurig. Auch und vor allem für die - echten - Männer.

Sonntag, 15. Oktober 2017

Vergiftete Komplimente



Einen Tag später...
Ja, da muss nun ein Update her.

Seit ich ihn gestern geteilt habe, wurde zu dem Beitrag auf meiner Facebook-Wall viel und teils emotional diskutiert. Ich danke allen Beteiligten, egal, ob sie meiner Meinung sind, oder meine Ansichten zum Kuckuck wünschen.


Allerdings möchte ich als Folge der Diskussionen einige Dinge klären bzw. noch einmal ausführen oder betonen.


Ganz wichtig, und von einigen offenbar missverstanden: Mein Beitrag ist keine Antwort auf Frau Cheblis Posting, sondern auf die Reaktionen, die ihr Posting hervorgerufen hat.


Ich fand es daher auch sehr traurig, dass teilweise eher über Frau Cheblis sicherlich überzogene („Unter Schock“ – so ihre Worte) und auch wenig souveräne Reaktion auf die ihr zuteil gewordene Behandlung diskutiert wurde, als über die eigentlichen Verursacher des Mini-Eklats.



Selbst Schuld, wenn sie sich getroffen fühlt. Selbst Schuld, wenn sie nicht mit Komplimenten umgehen kann. Selbst Schuld, wenn sie mit ihren jungen Jahren noch nicht die Nonchalance einer erfahreneren 50jährigen besitzt.


Und dann haben wir noch jene, die weiterhin fragen:

„Ist das wirklich so schlimm? Hätte er das wirklich nicht sagen dürfen? War es nicht doch nur ein nettes und harmloses Kompliment?“


Stimmt! Ihr habt Recht!


Doch, ganz im Ernst: Es ist nicht schlimm, und ja, er hätte das zur ihr sagen dürfen, und ja, es wäre ein nettes und harmloses Kompliment gewesen…

…WENN er es NACH der offiziellen Veranstaltung gemacht hätte, bei einem zwanglosen Gespräch unter vier Augen, als augenzwinkernde Erklärung und Entschuldigung, weshalb er sie zuerst nicht als die erwartete Staatssekretärin erkannt habe.

Von einem Menschen, der schon seit einigen Jahren auf der politischen Bühne tätig ist, erwarte ich, dies zu wissen. Handelt er nicht nach diesem Wissen, unterstelle ich Vorsatz.


Heute habe ich eine interessante und doch auch traurige Diskussion rund ums Thema "Vergiftete Komplimente" erlebt.

Doch gehen wir ein wenig ins Detail:

Jemand postete einen Facebook-Beitrag von Sawsan Chebli. Die Dame war mir, ich gebe es zu, bis dahin völlig unbekannt - sie ist, wie ich inzwischen "ergooglet" habe, eine deutsche Politikerin, die als Kind mit ihrer Familie aus Palästina als Flüchtling nach Deutschland gelangte.

Folgendes hat Frau Chebli geschrieben:
"Unter Schock - Sexismus
Vorfall: Ich sollte heute Morgen eine Rede halten. Vier Männer sitzen auf dem Podium. Ich setze mich auf den reservierten Platz in die erste Reihe. Vorsitzender vom Podium aus: „Die Staatssekretärin ist nicht da. Ich würde sagen, wir fangen mit den Reden dennoch an.“ Ich antworte ihm aus der ersten Reihe: „Die Staatssekretärin ist da und sitzt vor Ihnen. Er antwortet: „Ich habe keine so junge Frau erwartet. Und dann sind Sie auch so schön.“ Ich war so geschockt und bin es immer noch. Ich bin jedenfalls ans Pult: „Sehr geehrter Herr Botschafter a.D., es ist schön, am Morgen mit so vielen Komplimenten behäuft zu werden.“ Im Saal herrschte Totenstille. Dann habe ich meine Rede abwechselnd in deutscher und englischer Sprache frei gehalten. Es war ein internationales Forum.
Klar, ich erlebe immer wieder Sexismus. Aber so etwas wie heute habe auch ich noch nicht erlebt."
Ob man politisch mit Frau Chebli einer Meinung ist, ist irrevelant. Ebenfalls irrelevant ist, ob man nun gleich "unter Schock" stehen muss, angesichts einer Begebenheit, wie sie Frauen in wechselnder Form leider auch heute noch durchs tägliche Leben begleitet.

"ne Klatsche haben..."

Schockierend fand ich dagegen schon den Kommentar, mit dem Frau Cheblis Beitrag geteilt wurde:
"Nur weil man eine Rede abwechselnd in deutscher und englischer Sprache halten kann, bedeutet nicht, dass man nicht trotzdem ne Klatsche haben kann ..."
 Aha. Eine Frau, die ein Kopliment als sexistisch einstuft, muss natürlich "ne Klatsche haben".

Und es gab in der Folge einige - meist Männer - die mehr oder weniger gröhlend zustimmten.

Auf den ersten Blick könnte man das so sehen. Was ist denn schon dabei, wenn ein Mann einer Frau ein Kompliment über ihr Aussehen macht? Einer der Mitdiskutanten verstieg sich sogar zu der Annahme, wenn ich damit ein Problem hätte, wäre ich sicher auch beleidigt, wenn er mir an der Türe den Vortritt ließe.

Türen öffnen? Aber immer!

Mitnichten, guter Mann! Männer, die Türen für Frauen öffnen, sind mir hochsympatisch. Jedenfalls viel sympatischer als jene Exemplare ihres Geschlechts, die wieder und wieder genau das Gegenteil versuchen. Denn nichts anderes war der oben von Frau Chebli geschilderte Vorfall: Eine Tür, die ihr klatschend vor der Nase zugeschlagen werden sollte.

Nein, meine Herren, es geht nicht darum, dass ihr keine Komplimente machen dürft. Ich finde es zwar süß, wie ihr euch im Verlauf der Diskussion teils fast schon weinend in die Opferecke stellen wolltet - man wisse als Mann ja ohnehin kaum noch, was man sagen dürfe, ohne gleich als sexistisch verdammt zu werden - aber da möchte ich dann doch mit einem schulterzuckenden
"Na, dann heult doch!"
antworten.

Kommt schon, Jungs, stellt euch nicht dumm! Es ist ein verdammt großer Unterschied, wann, wo, zu wem, und bei welcher Gelegenheit ein und dasselbe Kompliment gemacht wird!
"Ich habe keine so junge Frau erwartet. Und dann sind Sie auch so schön.“
Ein großartiges Kompliment beim Kennenlernen auf der Sylvesterparty.

Ein vielleicht so gerade noch passendes Kompliment bei der ersten Begegnung mit der Ehefrau eines Kollegen (abhängig von der Eifersucht des Ehemannes).

Ein witziges Kompliment vom Grundschüler zum ersten Arbeitstag der neuen Lehrerin.

Ein absolut unangebrachter Kommentar, was sowohl Anlass als auch Ort der hier geschilderten Begebenheit betrifft.

Ein Vergleich

Wie ich eben schon in der Diskussion schrieb (und damit die gesammelte Empörung auf mich zog):
"Man stelle sich einmal vor, die Staatssekretärin wäre ein Staatssekretär gewesen, und die Vorsitzende hätte ihn mit den Worten begrüßt "Ich hätte keinen so jungen Mann erwartet, und noch dazu einen mit einem so knackigen Hintern."
Gut, man versuchte natürlich, diese Einrede abzuschmettern, indem man anführte, der "knackige Hintern" sei ja nun auch etwas gaaaanz anderes. Dass beides - jedes auf seine Art - in der vorgenannten Situation gleich unangebracht gewesen wäre, wollte man nicht einsehen. Sei's drum - schauen wir uns den Satz also einmal wirklich 1:1 an:

Die Vorsitzende begrüßt den Staatssekretär mit den Worten
"Ich habe keinen so jungen Mann erwartet. Und dann sind Sie auch noch so schön."
Kein Problem? Ehrlich jetzt?

Den ersten Satz mag man sich ja "gefallen" lassen (übrigens auch in Hinsicht auf Frau Chebli): Warum sollte mann/frau nicht unter dem Titel "Staatssekretär" einen wesentlich älteren Menschen erwartet haben und nun überrascht reagieren?

Altherren-Athmosphäre

Teil 2 jedoch ist ein vergiftetes Kompliment, und es ist ein Gift, das seit Jahrzehnten immer wieder gegen Frauen eingesetzt wird, die sich eine gewisse Position - beruflich oder, wie hier, in der Politik - erarbeitet haben.

Es ist das Gift der "Reduzierung" innerhalb einer Umgebung, die ein anderer Bekannter so trefflich mit
"Altherren-Athmosphäre"
beschrieben hat.

Da sitzen ein paar Männer und reduzieren mit einem innerlichen "Hö-hö-hö!" eine Frau, ihren Intellekt, ihr Wissen, ihre Arbeit, ihre Kompetenz, ihre berufliche Stellung, ihre ganze Persönlichkeit, auf eine Sache: Ihr Aussehen.

Und man weiß nicht, was schlimmer ist:

Dass diese Herren wahrscheinlich auch noch erwarten, dass das so herab-komplimentierte Weibchen mit einem errötenden Knicks artig dankt...

...oder dass ihr Verhalten im Jahr 2017 noch derart viele - auch weibliche - Claqueure findet.

Samstag, 16. September 2017

Einige persönliche Worte - zur AfD und anderem Gedöns

Zu Anfang schiebe ich die AfD, wohin sie gehört: Auf die hinteren Ränge.

Stattdessen möchte ich mich erst einmal zu Facebook und den dortigen Freundschaften erklären:

Befreunden und "entfreunden" - bei Facebook ist beides nur einen Mausklick entfernt. So sammelt man Freunde und so "verliert" man sie wieder. Bei mir sind es derzeit 105 an der Zahl. Im Gegensatz zu vielen anderen Facebooknutzern stelle ich allerdings mit einem Blick auf diese Liste zufrieden fest, dass ich immer noch gut 2/3 dieser Menschen persönlich kenne.

Und nun möge mir das restliche knappe Drittel verzeihen, wenn ich feststelle, dass sie - auch wenn Facebook das anders sehen mag - für mich nur mehr oder weniger gute Bekannte sind, denn um einen Menschen "Freund" zu nennen, muss ich ihm wenigstens einmal die Hand geschüttelt und eine Tasse Kaffee mit ihm oder ihr getrunken haben. Ich glaube aber, niemand, der ein bisschen rational an die ganze Facebook-Geschichte herangeht, wird mir diese Unterscheidung übelnehmen.

Nun habe ich mir gerade meine Facebook-Freunde in der Liste angesehen und dabei festgestellt - wieder hochzufrieden - dass ich niemanden sehe, von dem ich weiß (oder es vermuten müsste), dass es sich um einen potentiellen AfD-Wähler handeln könnte. Es sind im Gegenteil viele darunter, die - auch gerade WEIL sie praktizierend christlich/katholisch sind - ihre Ablehnung der AfD offen und vehement kundtun und dabei in so manchen Diskussionen heftigen und teils bösartigen "Gegenwind" hinnehmen.

Bei meinen Bekannten sieht es anders aus. Da mag es einige "Ausreißer" geben, was die AfD angeht. Einer z.B. schrieb mir kürzlich auf meinen letzten Blogbeitrag zur AfD als Kommentar
"Ehrlich gesagt sehe ich keine Alternative,als die Deppen zu wählen."
Soll ich ihn deshalb nun "entfreunden", oder verbal auf ihn losgehen? Wie ich im gleichen Thread einem anderen Kommentator schrieb, haben wir in Deutschland Denk-, Rede- und Wahlfreiheit, also möge jeder nach seinem Gewissen wählen.
Es gibt zwei Gründe für mich, diesen Menschen nicht zu entfreunden:

a) Er hat offen und ehrlich seine Meinung gesagt. Das muss ich akzeptieren, anerkennen und aushalten. Weiß ich, wie viele Menschen mir im realen Leben begegnen, die sich mit einem empörten "Na, ich doch nicht!" gegen die AfD aussprechen - nur, um allein in der Wahlkabine dann ihr Kreuzlein ganz rechts zu setzen?

b) Ich möchte keine virtuelle Filterblase. Ich möchte mein virtuelles Umfeld nicht solcherart sortieren, dass nur noch Anhänger meiner Meinung vertreten sind. Das geht im realen Leben nicht, und man sollte es sich im virtuellen Pendant auch nicht leisten. Wenn sich die eigene Meinung nicht gelegentlich am Anderen reibt, auf welchen Prüfstand soll ich sie dann stellen?

Tja, und nun kommt das Aber.

Es gibt immer ein Aber, das wisst ihr doch.

ABER es gibt eine Ausnahme, die ich nicht tolerieren möchte.

Ich sagte eben, dass viele meiner Facebook-Freunde gerade auch WEGEN ihres Glaubens die AfD vehement und offen ablehnen.

Ebenso habe ich nun aber erlebt, wie unter meinen Facebook-Bekannten versucht wurde, eine Unterstützung der AfD nicht etwa TROTZ ihres Glaubens zu proklamieren (also im Sinne von "Ich dürfte als Christ zwar eigentlich nicht, aber..."), sondern wie jemand die AfD gerade WEGEN seines christlichen Glaubens als wählbar deklariert.

Das geht gar nicht!

Wer bis heute noch immer nicht begriffen hat, dass wie Trump in den USA auch die AfD in Deutschland mit dem Aufgreifen "christlicher Themen" nichts als die Stärkung der eigenen Macht im Sinn hat, wer bis heute - gerade in Deutschland, und gerade vor unserem geschichtlichen Hintergrund - nicht verstanden hat, dass hier Christen missbraucht werden sollen, indem man sie glauben macht, hier wäre endlich jemand aufrichtig an ihren Anliegen interessiert, und wer bis heute nicht wahrhaben will, dass sowohl Trump als auch die Parteibosse der AfD nichts weniger interessiert als die vielzitierten christlichen Werte (es sei denn, es dient dem eigenen Vorteil), ja, wer das alles bis heute noch nicht mitbekommen hat, dem ist, so scheint es, schlicht nicht zu helfen.

Wer sich von diesen Leuten missbrauchen und ausnutzen lassen will, der mag es tun; ich werde es nicht ändern können.

Wer diese Entscheidung jedoch mit dem Satz "WEIL ich Christ bin..." zu rechtfertigen sucht, der ist schneller von meiner "Freundes"Liste verschwunden als er oder sie "Amen." sagen kann.

Ich habe fertig.

Mittwoch, 13. September 2017

Wählt die AfD!

Wählt die 

Alternative für Deppen

Deppen aller (Bundes-)Länder, vereinigt euch! 


Ich habe mich mal ein wenig mit der AfD beschäftigt, und ich muss es einfach zugeben:

Es ist wirklich für jeden Deppen etwas dabei!

Kompliment!


"Hol dir dein Land zurück" heißt es bräsig auf der Startseite der AfD.
"Ja, war es denn weg?", frage ich mich. Und: "Soll ich es wirklich zurückholen - vielleicht ist das Wetter da, wo es jetzt ist, ja besser?"


"Wir sprechen für Sie" lautet der nächste Einblender.
Ich erst so: "Och nöööö." 
Und dann weiter: "Aber was so ein richtiger Depp ist, der braucht halt jemanden, der für ihn denkt... äh... spricht."


"Wir wirken für Deutschland" ist dagegen schon richtig gut.
Irgendwie wirken wir ja alle, nichwahrnich?
Der eine klug.
Der andere weniger...

Na, und dann das Parteiprogramm! Aber Holla die Waldfee! Die können wirklich Inhalt, diese Leute.

Mal so rausgepickt aus der Rubrik "Bildung/Schule":
"Wir fordern die Abkehr von geschwätziger Kompetenzorientierung und die Rückkehr zur Vermittlung des Fachwissens als zentrales Anliegen der Schule."
"Geschwätzige Kompetenzorientierung" - sagen Sie das 3x schnell hintereinander, da wird Ihnen aber ganz anders!

Und doch.... und doch.... Muss man sich Sorgen machen um die AfD? Darum, dass ihnen die Deppen... äh... will sagen: die Wähler ausgehen?

Frauen z.B. kommen im ganzen großen Parteiprogramm der AfD überhaupt nicht vor - es sei denn als Ehefrau und/oder Mutter. Frau im Beruf, mit Karriere und so - mit solchem Gedöns gibt man sich hier gar nicht erst ab.

Christen kommen nur als gedachte, aber nicht namentlich erwähnte Masse vor, wenn von der "Rettung des Abendlandes" die Rede ist - ach ja, und wenn es darum geht, das urchristlichste aller Gebete von einem Parteisprecher auf dessen Facebookseite zu einem recht unwitzigen "Merkelunser" umgedichtet zu finden. Und gerade unter ihnen hatte man doch auf Walfang gehen wollen. Irgendwie dumm gelaufen.

"Den Euro in Deutschland abschaffen und raus aus dem Euroraum!", sagt die AfD. So von wegen  Ankurbelns der darniederliegenden deutschen Wirtschaft. Was? Wie? Die liegt gar nicht darnieder? Der geht's blendend? Das ist jetzt aber blöd.

So langsam muss es an die Substanz gehen. Da bleibt doch kein Wähler mehr übrig.

Bitte? Ah, ach so, ja, stimmt:
Deppen sind Deppen, weil sie Deppertes tun.
Also dann, ihr Deppen, wählt eure Partei! 
Wählt
 Alternative für Deppen! 
Wählt AfD!

 (Vielleicht haben wir ja Glück und ihr verirrt euch auf dem Weg ins Wahllokal und macht stattdessen einen Abstecher in die Kneipe. Am Stammtisch seid ihr ohnehin viel besser aufgehoben.)

Sonntag, 3. September 2017

Das Kreuz mit Lidl und den Streichhölzern


Der Drogeriediscounter "DM" verkauft Streichhölzer mit Gebrauchsanweisung, inklusive Schemazeichnung und korrektem Zündwinkel:


(Dabei wissen wir doch alle, dass ein Streichholz, welches auf der Zündfläche den perfekten 40°-Winkel um mehr als die erlaubte Toleranz von 3,75° über- oder unterschreitet, die vorgezogene Apokalypse auslösen würde.)

Der Discounter Lidl dagegen entfernt die Kreuze auf dem Kirchendach der griechischen Stadt Santorini. Nun ja, nicht in echt, aber auf den Abbildungen zu den Produkten seiner "Griechischen Woche". (HIER ein Artikel zum Thema.) Auf Nachfragen die Erklärung von Lidl:
"Damit wollen wir unsere Neutralität unterstreichen."
Was haben "DM" und Lidl nun gemeinsam? Beide halten ihre Kunden offensichtlich für komplette Volltrottel.

Es fällt mir allerdings schwer, mich aufzuregen - einfach, weil besonders die Lidl-Aktion so UNGLAUBLICH dämlich ist. Von der nachgereichten "Erklärung" mal ganz zu schweigen.

Manch einer teilt im Internet derzeit Boykottaufrufe gegen Lidl. Kann man machen. Aber ich sag' mir halt so: Wenn ich jede Ladenkette und jede Herstellerfirma boykottieren wollte, in deren Leitungsetage wenigstens ein kleines Arschloch mitspielen darf, wäre ich längst verhungert und verdurstet.

Andere Möglichkeit: Mich auf der Empörungswelle reitend am Shitstorm in den diversen Kommentarspalten beteiligen und nach Herzenslust abschimpfen. Auch hier: Kann man machen. Dann sollte man sich aber vorher ansehen, wer bzw. was sich dort so tummelt. Sagen wir mal so: Meiner persönlichen Erfahrung nach ist die Extreme, mit der ein Mensch sich dem Rand zuneigt (rechts oder links sei dabei einerlei) umgekehrt proportional zu seiner Fähigkeit, die deutsche Grammatik und Orthographie korrekt anzuwenden. Schon allein deswegen sind besagte Kommentarspalten nur schwer zu ertragen.

Für mich gibt es nur eine Lösung, wie ich damit umgehen möchte:

Gnadenloses, schallendes Gelächter!

Den Blödsinn posten, mit Bildchen und Erklärung, aber nicht in "heller Empörung", sondern mit einem
"Meine Güte, was sind die dämlich!"
Shitstorm oder Boykott mögen beim Empfänger ein Gefühl stolzen Arschbackenzusammenkneifens erzeugen.

Lächerlichkeit ist eher peinliche Inkontinez mit gelben Streifen.

Sonntag, 20. August 2017

Nicht kritikfähig

Am Tag des Anschlags in Barcelona postete eine Facebook-"Freundin" ein Video. Ich brauchte einige Sekunden, ehe ich realisiert hatte, was ich da sah: Jemand war kurz nach dem Attentat über die "Las Ramblas" gegangen und hatte mit seinem Smartphone gnadenlos die rechts und links am Boden teils im eigenen Blut liegenden Opfer gefilmt.

"Ich befreie dich von dem Anblick."

Ich bat sie, den Videolink zu löschen, fragte sie, ob sie denn wohl selbst auf einem solchen Video einen geliebten Menschen unter den Toten entdecken wollte. Ja, sie fände das auch furchtbar, erhielt ich zur Antwort, aber man müsse sich den Bildern stellen, und "wir" müssten aufhören, uns in die Tasche zu lügen. Sie fände das aber "völlig ok", dass ich das anders sähe. Worauf ich ihr entgegenhielt
"Du meinst ernsthaft, indem du die absolut letztgültige Privatsphäre dieser Menschen - nämlich im Tod nicht online als "Opfer" in ihrem Blut begafft zu werden - brichst, tust du irgendeinem etwas gutes?"
Darauf schrieb sie
"Ich befreie dich von dem Anblick."
um mich gleich danach zu "entfreunden". (Etwas, womit ich, nebenbei gesagt, sehr gut leben kann.)

Szenenwechsel.

Es gab da ein Projekt, das nannte sich

Valerie und der Priester

(Das ist übrigens der Link zum Blog, wo alles nachgelesen werden kann.)

Eine Berliner Journalistin, mit den typischen Vorurteilen gegenüber "Kirche und ihrem Gedöns" behaftet, begleitete einen katholischen Priester ein Jahr lang durch sein Leben und lernte dabei eben auch "Kirche" von einer anderen, für sie ganz neuen Seite kennen. Ihre Erfahrungen und auch die Inhalte ihrer (Streit-)Gespräche mit dem Priester wurden in regelmäßigen Abständen auf dem obigen Blog veröffentlicht und fanden eine erstaunlich große und treue Fangemeinde. Initiiert wurde das alles von der Deutschen Bischofskonferenz.

Aufgrund des großen Erfolgs startet nun ein neues Projekt:

Gott im Abseits

Diesmal begleitet ein nicht-gläubiger junger Journalist eine "Schwester" (der Missionsärztlichen Schwestern) ein Jahr lang durch ihr Leben. Sicher, klingt etwas danach, als wolle man das erste Projekt einfach mit anderen Protagonisten wieder aufwärmen, aber ich denke mir schon, dass ein Mann andere Fragen stellen und eine Ordensschwester andere Antworten geben wird.

Chance oder Geldverschwendung?

Man KANN diese Projekte als Chance begreifen, auf diese sehr, sehr, sehr niederschwellige Weise bei jenen das Interesse an Gott, Glauben und Kirche zu wecken, die man anders nicht mehr zu erreichen weiß. Und auch als Chance, bei genau dieser Zielgruppe vielleicht wenigstens einige der falschen Vorstellungen und Vorurteile aufzubrechen, die so durch unser Land geistern, wenn es um die katholische Kirche geht.

Man KANN diese Projekte auch als eine sinnlose Geldverschwendung abtun, indem man sagt, es wird die Einstellung zur Kirche nicht um ein Jota verändern. Das einzige Ergebnis wird sein, dass die Zuschauer/Mitleser des Blogs sich nun denken werden:
"Okay, die Katholiken hängen zwar einem mittelalterlichen, frauenfeindlichen, homophoben und völlig unzumutbar verzerrten Weltbild an, aber es gibt unter ihnen trotzdem davon mal abgesehen einige ganz nette Leute."
Wahrscheinlich ist es wie so oft: Beide Seiten haben ein bisschen Recht - und die Wahrheit liegt sowieso irgendwo dazwischen. Darüber kann man diskutieren, darauf hätte man sich einigen können.

Kritik an der Kritik

Es wurde eine herbe Kritik am neuen Projekt verlinkt. Nichts gegen einzuwenden. Nachdem man einander allerdings eine Weile ob der eigenen spirituellen Überlegenheit gratuliert hatte, kam es, wie es kommen musste: Es meldete sich ein anderer Jemand zu Wort, und dieser Jemand übte Kritik an der Kritik. Und damit nahm das Unglück seinen Lauf:

Die ganze "Chose" endete in einem Fiasko aus Beschimpfungen, Entfreundungen und gegenseitigen Blockierens. Nicht jeder Kritiker kann mit Kritik an seiner Kritik umgehen, könnte man dazu wohl sagen.

"La-la-la-Ich-hör-dich-nicht!"

Online ist es natürlich besonders leicht, sich den Grenzen der eigenen Kritikfähigkeit NICHT stellen zu müssen:

Den unangenehmen "Störer" blockiere ich. Damit mache ich ihn mundtot, und wenn ich es geschickt anstelle, merkt er es nicht mal. Reicht mir das nicht aus, "entfreunde" ich ihn. Klick - und weg! So habe ich über kurz oder lang eine "Filterbubble", innerhalb derer ich mich ausnahmslos unter Applausspendern bewege.

Damit geht man ungefähr so durch die Online-Welt wie das Kind, das sich die Ohren zuhält und laut "La-la-la-ich-hör'-dich-nicht-La-la-la" singt, wenn die Mutter ihm zu erklären versucht, dass eine halbe Tafel Schokolade kein gutes Frühstück ist.

Ich frage mich:

Sind es genau diese Möglichkeiten, sich online gemütlich unter Gleichgesinnten einzurichten, die uns auch im analogen Leben mehr und mehr kritik-unfähig machen? Oder ist es umgekehrt die wachsende Unfähigkeit weiter Teile unserer Gesellschaft, sich unbequemer Kritik zu stellen, die sich online schlicht noch extremer ausleben lässt?

Diskussionskultur - damals und heute

Ich behaupte nicht, eine Antwort auf diese Frage zu haben. Mir fällt allerdings auf: Schaut man sich einmal die Aufzeichnung einer TV-Diskussionsrunde aus den 1960ern und 1970ern an (den Ausdruck "Talkshow gab es ja noch nicht) und ruft sich in Erinnerung, wie es in heutigen Talkshows zugeht, sobald Themen diskutiert werden, die über das Liebesleben der Nacktschnecken hinausgehen, dann muss man feststellen:

Die Diskussionskultur unserer Gesellschaft ist den sprichwörtlichen Bach hinuntergegangen.

Wir nehmen Kritik nicht nur nicht mehr hin - nein, wir wollen sie gar nicht erst hören. Kritik bedeutet das Infragestellen unserer Überzeugungen, und in denen sind wir heute so festgefahren, dass jeder "Angriff" darauf nur als Angriff auf den ganzen Menschen gewertet werden kann; ein Angriff also, der gnadenlos niedergeschrieen oder besser noch mundtot gemacht werden muss.

Der kleine Diktator

Diese Kritik-Unfähigkeit, und die Absolutsetzung der eigenen Überzeugungen haben wir in die Onlinemedien getragen. Dort können wir sie als kleine Meinungsdiktatoren auf der eigenen "Wall" und im eigenen Blog nach Herzenslust ausleben.

Im Grunde sind wir damit nicht besser als die großen Diktatoren Erdowahn, Trump, Putin & Co. - nur ist unser Machtradius ungleich kleiner.

Vielleicht sind ja deshalb einige heute gleich doppelt gefrustet?

Sonntag, 6. August 2017

Licht und Schatten am Petersplatz - Photos


Zuletzt, auf dem Rückweg von den Vatikanischen Museen...


...einige nächtliche Photos vom Petersplatz:

Auch am späten Abend herrscht immer noch ein wenig Betrieb:



Ein ausgefallenes Foto ist hier in Arbeit:


Die Säulengänge sind verlassen:



 
Die Möwen übernehmen das Feld:





Die Zugänge liegen unbewacht:


Andere Wächter sind geblieben:






Es ist wohl der sicherste Platz der Welt, um sich darauf zur nächtlichen Ruhe zu begeben:


Die Ladeneingänge werden von ihren wahren Bewohnern übernommen:







Licht und Schatten liegen am Petersplatz eben gleich nebeneinander:


GUTE NACHT!

Vatikanische Museen bei Nacht - Photos


Ich hatte mir einen "Nachtbesuch" der Vatikanischen Museen online im Voraus gebucht. Findet immer freitags statt, Einlass ist ab 19 Uhr (deshalb ist es auf den ersten Bildern noch hell), nachdem die Tagesbucher das Gelände verlassen haben.

Ein fantastisches Erlebnis, die Museen ohne die üblichen Touristenhorden zu erleben (besonders die herrlichen Mosaikböden sind normalerweise kaum zu sehen, geschweige denn zu fotografieren).

Beachtet auch meine Bildausschnitte aus den jeweils vorangestellten Großbildern.

Hier meine Fotos, ohne weitere Kommentare: